Dr. Christian Gerloff, Referent Nürnberger Restrukturierungskonferenz 2018

Dr. Christian Gerloff, präsentiert als CRO und Eigenverwalter die Sanie-rung der Rudolf Wöhrl AG

Workshop zur Nürekon 2018

In den Workshops wurde auf Gruppenarbeit und viele aktuelle Fallbeispiele gesetzt

Presse

In Eigenverwaltung erfolgreich sanieren

Experten für Insolvenz und Sanierung trafen sich auf der dritten Nürnberger Restrukturierungskonferenz.

Nürnberg, 30. Januar 2018 – Die OHM Professional School, das berufsbegleitende Weiterbildungsinstitut der Technischen Hochschule Nürnberg, lud in Kooperation mit der Concentro Management AG und der Schultze & Braun GmbH Rechtsanwaltsgesellschaft zum dritten Mal zur Nürnberger Restrukturierungskonferenz (Nürekon) ein. Rund 80 Branchenexperten setzten sich in interaktiven Workshops und Vorträgen mit verschiedenen Aspekten der Unternehmenssanierung auseinander und tauschten Erfahrungen aus. Als regionales Praxisbeispiel präsentierte Dr. Christian Gerloff in seiner Funktion als CRO und Eigenverwalter den Fall der Rudolf Wöhrl AG.

Steuerliche Aspekte, Instrumente der Sanierung und deren Einsatz in verschiedenen Kontexten standen im Rahmen der Nürekon ebenso auf dem Programm wie die Themen Arbeitsrecht und Insolvenzplan. Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen sowie Spezialisten aus den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Insolvenzverwaltung, Bankenwesen, Steuerberatung und M&A-Beratung diskutierten unter der Moderation von RA Joachim Zobel (Schultze & Braun GmbH) und Dr. Alexander Sasse (Concentro Management AG) über die verschiedenen Aspekte der Unternehmenssanierung.

Restrukturierungsbedarf im Textileinzelhandel

Dr. Christian Gerloff veranschaulichte die Eigenverwaltung als Sanierungschance im filialisierten – also nicht inhabergeführten – Einzelhandel anhand des Falls der Rudolf Wöhrl AG. Zunächst sprach er dabei über die Krise des Einzelhandels in der Modebranche, die vor allem durch den immer wichtiger werdenden Onlinehandel verursacht ist. Außerdem können Multilabelhändler kaum auf aktuelle Trends reagieren, da sie Kollektionen verschiedener Anbieter mit bis zu einem Jahr Vorlaufzeit einkaufen. Damit sind sie deutlich im Nachteil gegenüber den vertikalisierten Händlern, die die gesamte Wertschöpfungskette von der Kollektionsplanung bis zum Vertrieb abdecken und bis zu drei Mal mehr Kollektionen im Jahr verkaufen können. Zudem sinkt die Kundenfrequenz in den Innenstädten kontinuierlich, vor allem in Kleinstädten. „Um trotzdem bestehen zu können, muss der stationäre Einzelhandel seine Onlinepräsenz eng mit dem Filialgeschäft verknüpfen und Einkaufen wieder zum Erlebnis für den Kunden machen“, argumentierte Gerloff. „Dazu gehört es, Filialen beispielsweise mit mobilen Kassensystemen technisch aufzuwerten, Kundendaten effizienter zu erfassen, gezielt auszuwerten und für die Kundenbindung zu nutzen und auf Kernkompetenzen des stationären Handels wie die individuelle Beratung zu setzen.“

Sanierung durch Eigenverwaltung bei der Rudolf Wöhrl AG

Laut Gerloff war die Überprüfung des Geschäftsmodells auch ein entscheidender Bestandteil des Insolvenzverfahrens der Rudolf Wöhrl AG, das am 01.12.2016 eröffnet und in Eigenverwaltung durchgeführt wurde. Denn auf Grundlage dieser Überlegungen ist eine erfolgreiche Neuausrichtung im Textileinzelhandel erst möglich. Als weitere Kernpunkte nannte er die Vertrauensbildung mit dem Sachwalter sowie den erfolgreichen Abschluss der Investorensuche im Januar 2017.
„Besonders erschwert wurde das Verfahren durch das aggressive Auftreten der Gewerkschaft“, erläuterte Gerloff die Herausforderungen. „Unter anderem wurde die Schließung einer Filiale um vier Monate verzögert, was für Wöhrl mit erheblichen Kosten verbunden war.“ Das Insolvenzarbeitsrecht hat sich als „zahnloser Tiger“ erwiesen, so Gerloff weiter. Darüber hinaus haben die Verzahnung der Wöhrl-Gruppe beispielsweise mit SinnLeffers und ein BFH-Beschluss zur Nichtanwendbarkeit des Sanierungserlasses die Sanierung erschwert. Dieser Beschluss erforderte die Umstellung auf einen Asset-Deal und einen Abwicklungsplan.
Insgesamt beurteilte Gerloff die Eigenverwaltung positiv. Sie stieß auf eine größere Akzeptanz im Marktumfeld, als es für ein Regelinsolvenzverfahren zu erwarten gewesen wäre. Zudem wurde durch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit erreicht, dass die Marke selbst kaum beschädigt wurde. Das Verfahren soll Mitte 2018 abgeschlossen sein.

Impulse für den Arbeitsalltag

Als weitere Fallbeispiele sprachen die Referenten in den begleitenden Workshops über Air Berlin, einen Fußballclub und ein Pharmaunternehmen. Im Anschluss an die Beiträge hatten die Teilnehmer jeweils Gelegenheit, Fragen zu stellen und die vorgestellten Inhalte zu diskutieren.

„Mit der Nürekon möchten wir Restrukturierungsexperten in Nordbayern zusammen bringen und den Austausch von Wissen und Erfahrungen rund um das Thema Sanierung fördern“, so RA Joachim Zobel (Schultze & Braun GmbH) und Dr. Alexander Sasse (Concentro Management AG) von den Veranstaltungspartnern. „Wir freuen uns, dass wir wieder renommierte Referenten aus unseren Netzwerken gewinnen konnten, die anschauliche Praxisbeispiele und aktuelle Entwicklungen in den Fokus ihrer Beiträge stellen. Dadurch können die Teilnehmer wertvolle Eindrücke und Anregungen für ihre Tätigkeit mitnehmen.“

Die Technische Hochschule Nürnberg und die OHM Professional School werden bei der Konzeptionierung und Umsetzung der Nürekon maßgeblich durch die Partner, die Schultze & Braun GmbH und die Concentro Management AG unterstützt.

Weitere Informationen zur Nürekon gibt es unter www.nue-re-kon.de.

 

Die OHM Professional School ist das Institut für berufsbegleitende Weiterbildung der Technischen Hochschule Nürnberg. Sie geht hervor aus dem Management-Institut der TH Nürnberg und der Verbund Ingenieur Qualifizierung gGmbH. Beide Einrichtungen blicken auf eine mehr als 15-jährige Erfahrung im akademischen Weiterbildungsbereich zurück.

Mit aktuell über 20 maßgeschneiderten Angeboten aus den Bereichen Technik, Informationstechnologie und Wirtschaft ist die OHM Professional School der Partner für zielorientierte akademische Weiterbildung und lebenslanges Lernen in der Metropolregion Nürnberg. Das Portfolio umfasst diverse Studien- und Zertifikatslehrgänge, sowie Fachtagungen, (Firmen-)Seminare und Konferenzen.

Weitere Informationen:
OHM Professional School
Sabine Betz-Ungerer
Dürrenhofstr. 4
90402 Nürnberg
Tel.: 0911/ 424599-12
ohm-professional-school@th-nuernberg.de
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