Der Lehrgang

Techniker, Meister, Facharbeiter, die sich weiterbilden und weiterentwickeln wollen, sind im produktionsnahen Ingenieurbereich ein wertvolles Reservoir gegen den Fachkäftemangel. Unternehmen können mit gezielten Maßnahmen Mitarbeiter für Aufgaben im Management der Produktion weiterentwickeln – und ihnen gleichzeitig neue Chancen und Aufgabenfelder bieten.

Die mehrstufige Qualifizierung für technische Fachkräfte ist berufsbegleitend und bildet die Teilnehmer auf dem Level eines Bachelor im Maschinenbau weiter. Zielgruppe sind technische Fachkräfte aus dem Maschinenbau.

Die Mitarbeiter aus dem Maschinenbau mit Abschlüssen als Facharbeiter, Meister oder Techniker lernen, sich technische Inhalte auf akademischem Niveau zu erarbeiten und trainierten Kompetenzen im problemlösenden Denken. Nicht technische Tools oder Programme sollen erlernt werden, sondern Ziel ist es, den Teilnehmern methodische Fähigkeiten im Umgang mit neuen technischen Herausforderungen zu vermitteln. 

Die wesentlichen Weiterbildungsziele sind:

  • Aufarbeiten mathematisch-physikalischer Grundlagen
  • Annehmen technischer Herausforderungen auf abstrakter Ebene
  • Fördern der Handlungskompetenz und des problemlösenden Herangehens an neue technische Herausforderungen
  • Erwerben von Sozial- und Methodenkompetenz für künftige Aufgaben
  • Fördern der Bereitschaft zum lebenslangen Lernen

Die Weiterbildung ist in mehrere aufeinander aufbauende Lehrgänge gegliedert. Die in der Organisation auf die Erfordernisse eines Drei-Schicht-Betriebes abgestimmt sind. Sie beginnt mit dem Seminar „Lernen lernen“ und einem Brückenlehrgang zu mathematischem und physikalischem Basiswissen, um die Teilnehmenden an ein gemeinsames Niveau heranzuführen. Der folgende Grundlagenlehrgang behandelt Inhalte, die für Entwicklung und Produktion im Maschinenbau relevant sind. Im Vertiefungslehrgang können sich die Teilnehmender individuell für eine Vertiefungsrichtung Produktionsmanagement (Supply Chain Management, Industrial Engineering oder Qualitätsmanagement) oder Produktentwicklung entscheiden. Dabei setzen sie auch Projekte um, die auf Aufgabenstellungen aus dem beteiligten Unternehmen basieren. Innovationskraft der Teilnehmer und die unmittelbare Anwendbarkeit des Erlernten kommen so optimal zum Tragen. 

Die Module zu technischen und betriebswirtschaftlichen Themen können je nach Bedarf um Seminare zu sozialen und methodischen Kompetenzen ergänzt werden. Diese können so in den Qualifizierungsablauf eingebettet werden, dass sie Kompetenzen begleitend trainieren, wenn diese methodisch oder inhaltlich für den Qualifizierungsfortlauf benötigt werden.

Um die Qualifizierung für Unternehmen im 3-Schichtbetrieb zu ermöglichen, werden die Präsenzphasen in Wochenblöcken organisiert. Akademische und handlungsorientierte Module werden während dieser Präsenzblöcke gemischt, um Abwechslung und unterschiedliche Beanspruchung zu erreichen. Methodisch beruht die Qualifizierung auf einem Blended Learning Konzept.

Die technischen Inhalte im Grundlagen- und des Vertiefungslehrgang finden auf der Basis eines akademischen Lehrgangskonzepts statt. In dieser Zeit sind die Teilnehmer als Studierende der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm eingeschrieben. Hinter den Modulen stehen deshalb eine Studienprüfungsordnung sowie ein Modulhandbuch. Zum Erwerb von Leistungspunkten nach dem ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System) ist es notwendig, die erworbenen Kenntnisse zu prüfen. Die technischen Fächer im Grundlagenlehrgang schließen mit Prüfungen ab, der Vertiefungslehrgang mit einer Abschlusspräsentation der Projektarbeit. Das Bestehen aller Prüfungen ist Voraussetzung, um das Zertifikat der Hochschule als „Produktionsmanager“ oder „Produktentwickler im Maschinenbau“ zu erhalten. Vergeben wird es von der Fakultät Maschinenbau und Versorgungstechnik. Die Absolventen sind damit berechtigt, sich „Produktionsmanager/-in“ oder „Produktentwickler/-in“ im Maschinenbau zu nennen.

Neben dem Zertifikat, das 34 Leistungspunkte gemäß des ausweist, erhalten die Teilnehmer auch ein Zeugnis der Technischen Hochschule über die Prüfungsleistungen.

Die Teilnehmender sind nach dem Lehrgang fähig, neue, anspruchsvollere Aufgaben im Management der Produktion wahrzunehmen. Unternehmen können so einen absehbaren Fachkräftemangel mit internen Ressourcen abfedern, Arbeitnehmer ihre Employability und Fertigkeiten steigern.

In unserem Pilotprojekt von 2010 bis 2012 haben Arbeitnehmer wie Arbeitgeber von der Qualifizierung profitiert: Von 25 Teilnehmern konnten 24 Absolventen ein Hochschulzertifikat mit 34 Leistungspunkten nach ECTS vorweisen. Bereits zwei Monate nach der letzten Prüfung arbeiteten 23 von Ihnen in neuen, beruflich höherwertigen Positionen im Unternehmen. Die Teilnehmer haben gelernt, technische Herausforderungen anwendungsorientiert zu lösen. Das Unternehmen kann mit den Erkenntnissen aus den Abschlussarbeiten der Teilnehmer firmenintern Lösungen entwickeln.  

Methodik

Blended Learning Konzept

Die Methodik ist vielfältig. Einerseits wird im Präsenzunterricht klassisch seminaristisch gelernt und gelehrt, andererseits gibt es einen großen Anteil an Selbstlernphasen, die durch Tutorien, Arbeitsgruppen und ein virtuelles Forum mit Downloadbereich unterstützt werden. Laborübungen, Workshops, Trainings und Seminare zu handlungsorientierten Themen ergänzen die Lernformen.

  • Präsenzphasen

In den Präsenzphasen werden die technischen Themen hochschulüblich in Form seminaristischen Unterrichts unterstützt durch Übungen gelehrt. Das Lernwissen der Physik können die Teilnehmer im Labor umsetzen und erfahren.

  • Unterstützte Selbstlernphasen

Ein großer Teil des Lernens erfolgt im Selbststudium zwischen den Präsenzphasen auf Basis der ausgegebenen Skripten und Unterlagen. Ein vorgeschaltetes Modul „Lernen lernen“ vermittelt Lerntechniken. Für den zeitnahen Austausch und den Download von Übungsaufgaben steht ein webbasiertes Forum zur Verfügung.

  • Arbeitsgruppen und Projektarbeiten

Im Vertiefungsmodul setzen die Teilnehmer die erlernten Inhalte in Projektarbeiten um. Dazu werden Projektteams gebildet, die gemeinsam die Aufgabenstellung bearbeiten. Die Referent/-innen liefern im Unterricht theoretischen Inhalt und geben methodische und systematische Hilfestellung. Mentor/-innen aus dem Unternehmen stehen als Betreuer für praktische Fragen zur Verfügung.

  • Handlungsorientiertes Lernen

Die Trainer arbeiten mit vielfältigen Seminarmethoden aus Unterrichtsdialog, Fallbeispielen, Rollenspielen, Übungen, Kleingruppenarbeit, Analyse, Videoanalyse, Diskussion und Reflexion.

 

Beispiele zur Ergänzung der technischen Module:

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