Prozessethik?! – International Business Ethics Seminar

Manchmal wird im Spiegel von Anderen erst klar, was einem selbst wichtig ist. So geschehen in unserem MBA Seminar „International Business Ethics“ im Februar 2021, aus der diese Rückmeldung stammt – es war eine tolle, interaktive und anregende Online-Runde mit zehn Studierenden aus Indien, China, Ghana, Ägypten, Bangladesh und Deutschland!

"Unsere Rolle ist es, Räume und Methoden anzubieten, damit ethische Diskussionen in Unternehmen offen geführt werden."

Neben interkulturellen Diskussionen über Whistleblowing, faire Impfstoffverteilung und andere von den Studierenden eingebrachte Praxisbeispiele war es besonders diese Rückmeldung, die geblieben ist. Sie trifft den Kern: Auch ethisch gehen wir so vor, wie wir es als systemische Berater gelernt haben. Wir unterstellen positiv, dass Menschen in Unternehmen im Grunde wissen, was gut und was weniger gut ist. Dazu brauchen sie keine ethische Belehrung. Unsere Rolle ist es vielmehr, Räume und Methoden anzubieten, damit diese Diskussionen in den Unternehmen offen geführt werden können, in Teams, Vorständen, mit internen und externen Stakeholdern. Unsere Rolle ist es, gemeinsam Werte und Haltungen zu erarbeiten, die zum Purpose des Unternehmens passen – und diese zu implementieren, so dass sie im Führungs- und Unternehmensalltag wirksam werden.

"Wer sich am Anfang von Projekten und Prozessen Zeit nimmt für Klärung und Reflexion, der oder die ist danach umso schneller und effizienter."

Keine Positionsethik, sondern Prozessethik. Sie entwirft und verwendet Formate und Methoden, die bereits in ihrer Art und Anlage ethische Haltungen transportieren:

Sounding Boards auf Augenhöhe, in denen jede*r hierarchieunabhängig zu Wort kommt. Externe Stakeholder – im Workshop ging es hier oft um kritische NGOs – nicht nur virtuell, sondern real einbeziehen, sie einladen, hören, von und mit ihnen lernen. Differenzen im Vorstand sichtbar machen, in Ruhe besprechen und als Ressource entdecken. Interdisziplinär und interkulturell arbeiten, innehaltend vorangehen, Reflexionen und Retrospektiven einbauen. Ganz gemäß der bewährten Wieslocher Einsicht: Wer sich am Anfang von Projekten und Prozessen Zeit nimmt für Klärung und Reflexion, der oder die ist danach umso schneller und effizienter. Wer am Anfang hudelt, den holen später die Unklarheiten und offenen Fragen ein.

Umgekehrt können systemische Berater*innen von Positionsethiker*innen lernen, begründet Position zu beziehen, nicht nur Prozesse zu gestalten. Nachzufragen, unter welchen Bedingungen produziert wird, Lieferketten und CO2-Belastungen. Wo werden wir deutlich, halten wir gegen, spiegeln, wo konfrontieren wir gar? - das aber ist ein neues Kapitel.

Vielen Dank an den Dozenten Andreas Grabenstein und an unsere MBA-Studierenden für den interaktiven und anregenden Kurs!

www.linkedin.com/pulse/nachgedanken-zum-international-business-ethics-andreas-grabenstein